Wo viele durch und durch kreativ-infizierte ART-Genossinnen zusammenkommen, wird man beeinflusst. Neue Ideen, frische Impulse, Inspirationen – ihr wisst, wie wichtig das ist. So bin auch ich für eine Weile abgetaucht in (nicht ganz) neue Gefilde und habe meine eigentlich bevorzugten Themen Papier und Buchbinden links liegen lassen.
In der Textilwerkstatt von
Kristinas Atelierhaus fand in diesem Jahr zum ersten Mal ein Langzeitprojekt statt - eine Tauschaktion, die unter Quilterinnen wohlbekannt ist, von der Papiermenschen aber kaum jemals etwas gehört haben: ein Bee!
Was ist denn ein Bee?
Während der Kolonialzeit in
Nordamerika war es Brauch, dass sich die Siedlerinnen des Dorfes trafen, um alle
gemeinsam an großen, wärmenden Decken für die eiskalten Wintermonate in ihren schlecht
isolierten Häusern zu nähen. Stoffe waren teuer und schwer zu bekommen. So
wurden Reste von abgetragener Kleidung und leeren Mehlsäcken in mühevoller
Kleinarbeit zu wunderschönen geometrischen Mustern zusammengefügt. Im Vordergrund stand dabei
auch das gesellige Miteinander, die Pflege sozialer Kontakte, der Austausch von
Neuigkeiten und die gemeinsamen Mahlzeiten.
Heutzutage finden sich ähnliche Gruppen meist über Ausschreibungen in Internet, Magazinen oder Gilden zusammen. Jede Teilnehmerin eines solchen BEE-Zirkels ist reihum für einen Monat die „Bienenkönigin“, bestimmt Muster, Farben, Größe, Material, während die fleißigen Bienen wunschgemäß die Blöcke nähen und sie im Anschluss der jeweiligen Queen des Monats zuschicken.
Im Atelierhaus läuft das anders!
Gesellig war es mit meinen nähbegeisterten Bienenkolleginnen von der BEE-Gruppe im
Atelierhaus auch. Die Initialzündung kam von Kristina. Sie arrangierte Zoom-Treffen und installierte ein Padlet für die Wünsche aller Beteiligten, auf das nur exklusiv wir 12 vorerst Zugriff hatten. Im ersten Freudenfieber hätte ich am liebsten gleich losgelegt, musste aber wie so oft erst einmal andere Dinge vorziehen. Zwei Monate vor Projektschluss nahm ich die Unterlagen dann endlich in die Hand. Ein bisschen Zeitdruck kann ja nicht schaden. Stoffreste hatten sich mittlerweile dank lieber Spenden und Impulskäufe von der
Nadelwelt (Karlsruhe) angesammelt.
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| Steffi wünschte sich ein Motiv zum Thema Meer |
Allmählich hörte man von der einen oder anderen Seite ein dezentes: „Ich bin schon fertig“ oder ein Stöhnen über zu viele gleichzeitig zugesagte Challenges in Verbindung mit großen Ansprüchen an die eigenen Werke. Die eine oder andere Rückfrage wurde gestellt. Ich begann zum Warmwerden erst einmal mit für mich leicht zu erfüllenden Wünschen und steigerte mich im weiteren Verlauf mit jedem Patch von Herausforderung zu Herausforderung, lernte beim Tun von ganz alleine dazu und hatte enorm viel Spaß und auch Erfolg dabei.
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| Karla und Elke wünschten sich Quadrate im Rot-Spektrum |
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| Lisa wollte einen Log Cabin mit Insekten |
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Birgit wünschte sich geometrische Körper mit Tiefenwirkung
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| Karens Wunsch waren bunte, diagonale Streifen |
In unserem Atelierhaus-Bee war nicht nur Patchwork gefragt sondern auch Applikation und Mixed Media, was einerseits zwar die Aufgabe erleichtern sollte, andererseits aber aus meiner Sicht die Anforderungen an die Fähigkeiten erhöhte.
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| Carmens Wunsch nach Kreisen habe ich mithilfe von Applikationen erfüllt |
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Ursula wollte Mixed Media in schwarz-weiß mit ein klein-wenig Kontrastfarbe
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| Kristina mochte freie Interpretationen zu Sonia Delaunay, einer Malerin und Designerin vom Beginn des 20. Jahrhunderts |
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Cornelie hat sich einen Vogel in seinem natürlichen
Umfeld gewünscht
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Tanja schwebte eine Mixed Media Pflanzenenzyklopädie vor,
die sie nun auch erhalten hat. Ihre gesammelten Patches wurden zu einem riesen
Almanach, das zu binden schon eine extra Herausforderung ist. Sicher zeigt sie etwas davon auf ihrem Instagram-Account. |
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| Transfer mit Bügelfarbe (DEKA, Jeromin), Stickerei, eine gepresste Pflanze und Applikationen |
Mein textiler Bee-Wunsch
Meine Wunsch war ein Auge auf textilem Grund von 16 x 16 cm. Keine fotorealistische Umsetzung, kein Augenpaar, keine Profilbild, eher so etwas wie ein Logo. Wahnsinn, was jede einzelne Biene heimlich zuhause für mich daraus gemacht hat. Das die Vielfalt der Ideen bei uns im
Atelierhaus gewaltig ist, weiß ich ja von den ATC-Aktionen, aber das BEE schlägt einfach alles.
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| Birgit schickte eine sehr aufwendige Maschinen-Stickerei |
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| Carmen stickte detailreich von Hand |
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| Elke setzte Patchwork und Applikation ein |
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| Karen unterpolsterte fein geäderten Filz auf edlem
Leinen |
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| Karla wendete Stoffmalerei und Maschinenstickerei an |
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| Kristina applizierte, was ursprünglich ein Mola werden
sollte |
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Lisa schnitt Fransen zu Wimpern und nähte mit Hand und
Maschine
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| Steffis Auge fühlt sich genauso fein und edel an, wie
es gearbeitet ist |
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Tanja nähte im Kawandi-Stil mit Maschinenstickerei
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| Ursula arbeitete ganz ohne Maschine, mit Spiegelung in der Pupille und zahlreichen Beigaben |
Mein textiles Augenbuch ist unbeschreiblich schön, leider aber noch nicht komplett fertig. Ich zeige es euch im nächsten Blogbeitrag, wenn die Reihfäden durch Maschinennähte ersetzt und die letzten Stoffspenden meiner Atelier-Mitbewohnerinnen an ihrem Platz befestigt sind.
Gerade jetzt ist das
Atelierhaus wieder für neue Teilnehmer geöffnet, allerdings müsst ihr schnell sein. Ende des Jahres machen wir wieder dicht und bleiben dann 1 Jahr lang unter uns (Ausnahmen bei
Kristina erfragen). Das nächste BEE-Projekt soll schon im Januar/Februar starten, damit genug Zeit für die Umsetzung ist. Bis dahin stehen noch Stempelschnitzen, ein umfangreiches Buchbinde-Bootcamp und der Weihnachtsworkshop im Terminkalender. Und ein abwechslungsreiches Jahres-Programm für 2027 ist auch schon in Planung! Wenn das keine guten Nachrichten sind …!
Sehen wir uns bald?