Freitag, 9. November 2018

Fast alles über ATCs

Von ATCs (Artist Trading Cards / Künstler-Tauschkarten) haben die meisten Papierbastlerinnen schon gehört, vielleicht haben sie auch selbst schon welche angefertigt. Ich hatte mich lange davor gedrückt. Dem Anspruch der atemberaubend schönen Kärtchen, die ich im Netz bei amerikanischen Künstlerinnen gesehen hatte, glaubte ich nicht gerecht werden zu können, und Irgendwas schnell mal zusammenkleben ist nicht so mein Ding.

Nun lies ich mich letztlich doch zu ein paar Tauschrunden bequasseln und recherchierte, wo dieser Trend denn überhaupt her kommt.

Die Idee der Zigarettenbilder aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde seit der  Wirtschaftswunderzeit von Fabrikanten wie z.B. den Köllnflocken-Werken gerne übernommen. Die Bildchen lagen der abgepackten Ware als Produktbeigabe gratis bei, dienten der Kundenbindung und wurden eifrig in speziell dafür aufgelegten Alben gesammelt.

In den 1960er Jahren saß das Geld allgemein schon etwas lockerer im Beutel. Das italienische Unternehmen Panini stellte serienweise Fußballbilder her und vertrieb sie in kleinen „Überraschungstütchen“. Ich liebte damals meine Winnetou-Sammelalben. Ein riesiges Geschäft war das, denn die Bücher komplett mit den nötigen Bildern voll zu kleben ähnelte einem Lotteriespiel und Tauschgelegenheiten gab es wenig. So ging das Taschengeld dafür drauf.
 

Das Kunstprojekt „Artist Trading Cards“ wurde als Gegenbewegung zum kommerzialisierten Markt lanciert; das Verkaufen von Kärtchen widerspricht dem Konzept.

Der Schweizer Künstler M. Vänçi Stirnemann gilt als Erfinder der ATCs. Er bemalte 1997 für eine Ausstellung 1200 Karten. Am letzten Tag lud er seine Besucher ein, ihre eigenen Karten zu kreieren und mit ihm zu tauschen. Dies löste einen Trend aus. Kunstakademien und Galerien in Europa, Kanada, den USA und Australien zeigten Artist Trading Card Editionen in zahlreichen Ausstellungen; Beiträge in Zeitungen, Magazinen und Katalogen erschienen und TV-Sendungen berichteten über ATCs. Trading Sessions, also Tauschtreffen wurden organisiert und sogar der 5. Geburtstag der ATCs im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in Zürich gefeiert.
 

ATCs sind stets Originale in der festgelegten Größe 2,5“ x 3,5“ (ca. 6,4 cm x 8,9 cm), die individuell als Unikat oder in Kleinserien angefertigt werden.

Für die Ausgestaltung von ATC's gibt es keine Vorschriften, es sein denn, die Gruppe arbeitet zu einem vorher festgelegten (Monats-) Thema. Materialien und Techniken sind frei wählbar. Endlich eine Gelegenheit, Reste von Cardstock und Embellishments zu verarbeiten, neue Techniken im Kleinformat auszuprobieren und bisher unbenutzte Stempel einzusetzen. Man kann malen, zeichnen, Collagen kleben, nähen, filzen und mit Wolle umwickeln - solange das Ergebnis in die Hüllen paßt und auf dem Postweg nicht kaputt geht, ist alles erlaubt. Patchworken, häkeln, Metall benutzen, Gießen mit Gips, Herstellen mit Pappmaché und Schnitzen aus Holz. Nehmt Linoleum, Leder oder Kunstleder, Serviettentechnik, Modelliermasse oder bestickt eure Kärtchen. Ganz egal! Hier kann auch ziseliert und punziert werden. Shabby Chic, Steampunk, Vintage und Upcycling. Alles, nur nicht langweilig. (Ich bin noch auf dem Weg dahin ... räusper.)

Für mich sind ATCs kreative Visitenkarten, denn man zeigt, was man gestalterisch drauf hat und signiert sein Werk auf der Rückseite mit Namen, Blog- oder Mailadresse, Thema/Titel, Seriennummer und Datum. - Nur wer schöne ATCs anbietet wird auch schöne erhalten.
 


Natürlich kam der Handel schnell auf die Idee, fertig auf Maß geschnittenes Papier in vielen Sorten und Qualitäten anzubieten. Auch passende Klarsichthüllen für die einzelnen Karten sind erhältlich und Sammelblätter für je 9 Karten, um sie übersichtlich in Ordnern abheften zu können. Stempel mit Linierung für die nötigen Eintragungen auf den ATC-Rückseiten verhelfen zu einem sauberen Erscheinungsbild.
 



Da das Format der ATCs den kommerziellen Trading Cards entspricht (Fussball- und Hockeybilder haben in Nordamerika eine lange Tradition), passen sie perfekt in die weltweit üblichen Täschchen für Sammelkarten. Wer ein Sammelalbum kaufen möchte, geht am besten in den Spielwarenladen, holt sich eines dieser oft undurchsichtig verpackten Kits für 6 – 9 EUR und wirft zu Hause alles weg, was sich neben dem Album noch in der Tüte befindet. So hab ich es auch gemacht. Und jetzt wird allmonatlich getauscht und sortiert.

Der neueste Trend sind kreisrunde ATCs, genannt Coins, wobei der Durchmesser der Breite herkömmlicher Künstlertauschkarten entspricht, so dass auch sie in die üblichen Stecktaschen passen. Manch ein Motiv wirkt in diesem Format sehr schön, ich halte mich aber wohl eher an das Gewohnte.
 


Wer Lust bekommen hat, sich auch einer ATC-Gruppe anzuschließen, dem darf ich die Kontaktadresse von Angela mitteilen. Bitte sendet mir eine Mail, meine Adresse steht im Impressum. (Übers Kommentarfeld antworte ich darauf nicht. DSGVO lässt grüßen.) Angela organisiert 2 mal im Jahr einen ATC-Tausch zum Thema „Stempelmännchen“ (das sind pfenniggroße Stempelgummis, die es in loser Folge seit Jahrzehnten bei HeinDesign gibt).

Andere Tauschgruppen findet ihr über die sozialen Netzwerke.
 
Gute Grüße
ela
 
 

Samstag, 27. Oktober 2018

Die Streichholzschachtel-Sammlung

Mit Geschenken ist das so eine Sache. Sie sollen Wünsche erfüllen, Freude machen, vielleicht nützlich sein und auch noch den Geschmack treffen. Oft zerbricht der Schenkende sich wochenlang den Kopf, was er denn diesmal wieder bringen kann. Manchmal ist er stolz, etwas ganz Besonderes gefunden zu haben ... denkt er.
 
Der Beschenkte hingegen hat sich die größten Wünsche oft schon selbst erfüllt und ansonsten die Schränke voll. Wer unnötige Ausgaben und Enttäuschungen vermeiden will, spricht sich ab. Mit zunehmendem Alter kommt es immer seltener vor, dass eine Überraschung wirklich funktioniert.
 
Kürzlich aber geschah das Unfassbare: eine Freundin brachte mir vom Flohmarkt etwas mit, was mich schier vom Hocker gehauen hat!! Ein Album, voll mit alten Streichholzbriefchen, gesammelt über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Ich war/bin begeistert!! Erinnerungen aus meiner Jugend wurden wach an Produkte, die es schon lange nicht mehr gibt und an Läden, die dem Druck der Supermarktketten nicht stand halten konnten. Die all die alten Werbeslogans … toll!
 
Seht euch die Bilderflut an, bevor ich euch zutexte:
 
 


 


 


 




Über 500 Etiketten von Streichholzdöschen und Streichholzbriefchen kleben in dem Album. Was für ein Schatz!
 
 
 

Samstag, 20. Oktober 2018

In Falten gelegt – das Buch von Hedi Kyle und die Folgen

Es geht stramm auf Weihnachten zu, nur die Auswahl an Kreativ-Lektüre in den Buchläden unserer Stadt ist eher mager und bescheiden. Viele tolle Neuerscheinungen sind auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt worden, bis jedoch davon etwas zum Blättern und Schnüffeln hier ankommt, brauche ich wohl noch eine Portion Geduld.
 
Aber: der Haupt Verlag hat mir freundlicherweise ein Buch zugeschickt: Hedi Kyles „In Falten gelegt“ über handgemachte Bücher und Papierobjekte. Perfekt! Vielen Dank für so ein tolles Buch! Das stelle ich euch jetzt gleich mal vor.
 
 
 
Ich gestehe, der Name Hedi Kyle war mir bisher kein Begriff, obwohl mir einige der von ihr entwickelten Buchbinde-Techniken bekannt sind. Immer wieder hab ich völlig fasziniert Abbildungen von Künstlerbüchern internationaler „book artists“ betrachtet und mir den Kopf zerbrochen, wie wohl z.B. solch ein Flaggenbuch hergestellt wird – jetzt habe ich die Anleitung. Ja, wenn man weiß, wie es geht, ist es einfach …
 
 
Jenseits der alten Buchbindetradition widmet sich Hedi Kyle seit mehr als 40 Jahren den Spielarten der Falttechnik, forscht und entwickelt ausgehend von einer einfachen Zickzack-Konstruktion Objekte, die oft irgendwo zwischen Pop Up und Origami anzusiedeln sind.
 


 
Nachdem Hedi als Grafikdesignerin, Konservatorin, Buchrestauratorin und Dozentin eine ganze Generation von Buchkünstlern ausgebildet und beraten hat, ist nun in Zusammenarbeit mit ihrer Tochter ihr erstes Buch beim Haupt Verlag erschienen.
 
Schon die Beschreibung der nötigen Werkzeuge, Materialien und Techniken beinhaltet zahlreiche Kniffe und Tricks. Es folgen Anleitungen für kleine und große Mappen, Leporellos, Kronen-, Flaggen- und Dreiecksbücher, Ein-Blatt-Bücher, Landkarten-, Franklin-, Baum- und Fischgrätenfalz, Spider- und Panoramabuch, Scharnierrücken, Hüllen, Gehäuse, Taschen und Schachteln, Schuber, Umschläge und Einbände und, und, und. Eine Fülle von raffinierten Projekten wird gezeigt und beschrieben. Anhand von zahlreichen Illustrationen ist das Nacharbeiten einfach. Manches ist untereinander kombinierbar, alles veränderbar. Hedi regt an, selbst zu entscheiden, welchem Inhalt man welchen Einband geben möchte und gibt Hilfestellung für Änderungen von Größe und Proportion.
 

 
Das Abenteuer der Faltbücher? Ich habe mich mit Freuden darauf eingelassen. Mein rosa „Baumfalz“ aus Ingrespapier von Anleitung 22 erhielt als Umschlag die „Mappe mit schrägen Steckfächern“ von Anleitung 23. Ein Bogen altes Geschenkpapier passte farblich genau und inspirierte mich obendrein zu goldenen Akzenten. Am Ende konnte ich die Assoziation zu Weihnachten nicht mehr leugnen. Na gut, das ist einfach so aus dem Bauch heraus passiert. Dann bin ich eben in diesem Jahr für meine Verhältnisse früh dran.
 



 
Irgendwie lies mich der „Baumfalz“ nicht los. Ich wollte ihn noch mal in Grün haben. Gesagt getan –  diesmal verpasste ich ihm einen einfachen Umschlag aus Bastelkarton mit Holzdesign. Bei der Bindung arbeitete ich einen Ast mit ein und zog ein paar Holzperlen auf. Zack – fertig!
 


 
Im Hinblick auf selbstgemachte Weihnachtsgeschenke ist solch ein originelles Büchlein gar nicht schlecht, oder? Bestellt euch Hedi Kyles Buch „In Falten gelegt“ also rechtzeitig. Schließlich kommen vom Haupt Verlag ja Fachbücher, die nicht nach einer Saison schon wieder überholt sind, weil der Trend vorbei ist.

Dieses Buch ist eine super Sache … alter Falter!
 
Bis bald
ela
 
 

Freitag, 7. September 2018

Eco Print Album Nummer 1

Als ich vor gut 2 Jahren die Seiten für mein erstes Eco Print Album herstellte, waren Informationen und Rezepte für ein sicheres Gelingen noch spärlich gesät. Ich fuhr deshalb nach Eindhoven, wo Siona Snel einen Tageskurs bei mijn eigen anbot.
 
Die Zeiten haben sich geändert. Wer heute keine Lust auf Selbststudium, Experimente und Fehlschläge durch online-Rezepte hat, kann sich bei Jeromin einen passenden Termin aussuchen und zu Brunhilde nach Speyer fahren. Sie hat einen immensen Erfahrungsschatz und muss immer mal wieder von Fritz gebremst werden, damit sie Kursteilnehmer wie mich nicht überfordert   ;-)     So kommen dann auch farbige Prints zustande, nicht nur die schwarz-grauen, wie hier bei meinem ersten Album.
 
















Wir haben damals in Holland Blätter, Gräser und Blüten gesammelt, Aquarellpapier, Baumwolle und Leinenstoffe vorbehandelt, alles zu Rollen verschnürt und zu Paketen gebündelt und schließlich im Einkochtopf unter Zugabe von Eisenpulver und Essig gekocht und gedämpft.
 
Erst vor Kurzem habe ich das Album zusammengebaut und schon sind Nummer 2, 3 und 4 in Planung. Stay tuned.