Sonntag, 24. Mai 2026

Meine ganz persönliche Zine Geschichte

Eine schwierige Geburt war das mit meinem ersten Zine (sprich „sien“, abgeleitet vom englischen „Magazine“).

Angefixt vom RISO-Druck, der mir durch seine intensiven Sonderfarben zum ersten Mal bewusst auf der Minipressen-Messe in Mainz aufgefallen war, suchte ich online nach mehr Informationen über diese Technik. Spezialisierte Druckereien waren dünn gesät. Ich landete bei Tines Firma Risolove. Sie bot eine kleine Auswahl von Printmedien in Verbindung mit einem Einführungskurs als Gesamtpaket an. Nach Buchung meines Wunschproduktes erkläre sie Anforderungen und Vorgehensweise ausführlich per Zoom. So kam allmählich Licht in die Nebel der Unwissenheit.



Dann wurde es allerdings schwierig. Ich musste mir ein Thema überlegen und zu Papier bringen. Fabulieren ist so gar nicht meine Stärke. Die Zeit verstrich. Die Blockade im Kopf war riesig. Eines Morgens nach dem Aufwachen kam plötzlich die zündende Idee: da war doch noch die Anfrage von Bernhard, der im Kindergarten seinen Schützlingen gerne eine selbst erdachte Geschichte erzählte. Ich sollte ihm ursprünglich daraus ein Buch gestalten. Was das für ein Aufwand ist, ahnte er wohl nicht.

Diese Geschichte lag noch immer bei mir. Ich musste sie „nur“ drastisch kürzten, ein wenig illustrieren und den Regeln des Zylinderdrucks entsprechend layouten. Meine Hirnzellen hatten ordentlich was zu tun.




Zwei unterschiedliche Auszüge sind für einen Zweifarbendruck nötig, die ich mithilfe von Ebenen in Photoshop immer wieder kontrollierte. Soll einer der kleinen Piepmätze einen Millimeter weiter nach rechts rücken, muss das auf beiden Auszügen übereinstimmen.



Auch die Entscheidung, in welchen beiden Farben gedruckt werden sollte, habe ich mir nicht leicht gemacht. Als ich mich dann endlich festgelegt hatte, stand meine Wunschfarbe nicht mehr zur Verfügung und ich musste mich umentscheiden. Naja …

Das hier wären bereits drei Druckfarben: schwarz, teal und fluoreszenz-gelb






 

Tine filmte den Druck meines Heftchens im A3-Format und sandte mir dann alles liebevoll verpackt zu.


Im Zuge meiner anfänglichen Euphorie bezüglich des neuen Mediums fuhr ich für einen Tag zum Zine-Festival nach Bremen. Die Stadt war an diesem sonnigen Tag wunderschön. Am Rande der Innenstadt lagen die Veranstaltungsräume, wo sehr junge, bunte Leute aus Deutschland, dem restlichen Europa und Japan ihre Druckerzeugnisse ausstellten. Manch einer verkaufte wohl zum ersten Mal und ohne jegliche Gewinnabsichten. Neben Kleinstauflagen von selbst gestalteten Heftchen in unzähligen Formaten und Ausführungen gab es auch Aufkleber, Postkarten und Plakate in Riso- und Siebdruck, allerlei Unikate, sowie Verlage mit alternativen Comics, Daumenkinos und anderem Schnickschnack aus Papier. Natürlich habe ich reichlich eingekauft, würde wohl aber nicht noch einmal den weiten Weg von Köln für diesen einen Tag machen.





Die Zeit verging und meine Zines waren bis auf einzelne Exemplare verschenkt, als plötzlich in Kristinas Atelierhaus der Zine-Virus ausbrach. Schnell gründete sich eine Gruppe, die eifrig malte, collagierte, kopierte und untereinander verteilte. Ich reduzierte mein A3-Riso-Zine auf eine problemlos zu kopierende A4-Vorlage und überarbeitete den Text noch einmal gründlich. Dann druckte ich per Laserdrucker die ersten Exemplare aus und siehe da: die Farben waren gar nicht so viel anders als der RISO-Druck, der verkleinerte Text war immer noch gut lesbar und das handliche Format gefiel mir hervorragend.



So stelle ich euch nun hier unten mein erstes, einziges und wohl auch letztes Zine zum Download in Original-Größe zur Verfügung. Einfach draufklicken, abspeichern, auf A4 ausdrucken und nach dem Video von Claudia falten. Habt Freude daran.

Mein Lieblingsverlag bringt übrigens im September 2026 ein brandneues Buch über Zines heraus!!

Liebe Grüße von ela




Mittwoch, 5. November 2025

Das Ginkgo-Jahr im Eco Print

Vor mehr als 10 Jahren lernte ich in Kursen bei Jeromin und in den Niederlanden die Grundlagen des Eco Print kennen. Damals kreisten etliche Mutmaßungen darüber, wie denn der perfekte Druck am geschicktesten zu erzielen wäre. Es hieß beispielsweise, Ginkgoblätter gäben kaum Farbe ab und eignen sich nicht zum Drucken. Überhaupt sei die Qualität der Ergebnisse im Eco Print durch eine Vielzahl von unbekannten Einflüssen kaum kalkulierbar. Entsprechend freuten wir uns wie kleine Kinder, wenn Pflanzen und Blätter ihr Spiegelbild dann doch unwiderruflich auf dem blassen Trägermaterial hinterlassen hatten.

Als ich die Thesen, die mir einst mit auf den Weg gegeben wurden, später schwarz auf weiss in einem Buch wiederfand, beschloss ich, der Sache auf den Grund zu gehen, denn mir war zwischenzeitlich eher zufällig ein einzelner, wundervoller Abdruck vom Ginkgo auf einem Stoff gelungen, der mich staunen ließ und das gelernte Fundament ins Wanken brachte.


Angelika Wolk-GercheNatürlich Bunt - Drucken und Färben mit Pflanzen








Ich sammelte daraufhin von Mai bis November jeweils am 2. Tag des Monats ein paar Ginkgo-Blätter vom selben Zweig eines Baumes neben der Dorfkirche, presste sie in einem dicken Buch und notierte dazu die entsprechenden Wetterverhältnisse. Die letzten gelben Blätter hatte ich im Spätherbst gerade noch mitnehmen können, bevor der Baum völlig kahl war.

Dann kam der mit Spannung erwartete Druckprozess. Ginkgoblatt für Ginkgoblatt schichtete ich getrennt nach Sammelmonat jeweils auf ein Stückchen vom gleichen, kräftigen Baumwollköper und schützte vorsichtig Lage für Lage mit Trennpapier (Bratenschlauch) vorm Durchschlagen der Farbstoffe. Die Päckchen verteilte ich gleichmäßig über 3 Rohre und überließ den Rest der Hitze und der Feuchtigkeit. Für den Fall das jemand fragt: der Stoff wurde vor gut einem Jahr mit einer Acetat-Mischbeize vorbehandelt. Sonst nichts.









Die Ernüchterung kam schon beim Auswickeln und Trocknen. Auf den ersten Blick stellte ich keine merklichen Unterschiede fest. Seht selbst.


Mai - 26° C, sonnig, seit 3 Tagen kein Niederschlag

Juni, 18° C, seit Tagen feucht, trüb, kleine Regenschauer

Juli, 17° C, seit Tagen Nieselregen

August, 27 ° C, seit Tagen feuchtwarm mit kleinen Regenschauern

September, sommerlich warm und trocken

Oktober, 15° C, grau, ab und zu Nieselregen

November
 
 
Blattvorder- und -rückseiten lassen sich beim Ginkgo ja schlecht unterscheiden. So zeigt es sich erst nach dem Dämpfen, auf welchem Stöffchen das Blatt richtig herum lag und wo der Druck nur eine Kontur erzeugt. Das war vorauszusehen.

Nicht geahnt hatte ich hingegen, dass sich die Wetterverhältnisse rein gar nicht bemerkbar machen. Erst in der Jahresübersicht ist erkennbar, dass der Ginkgo seine Farbe von Mai bis Juli zunehmend vollflächiger abgibt, im Oktober dann am besten färbt und die bereits gelben Blätter im November eine leicht ins rötlich gehende Farbe hinterlassen.


Besonders interessant finde ich das Blatt aus dem Juli, das auf der linken Seite schon voll im Saft steht, rechts aber noch das Schwächeln des Frühjahrs zeigt.


Fürs nächste Jahr habe ich mir schon eine andere Ginkgo-Testreihe überlegt, um mehr Faktoren zu finden, die für einen kräftigen Abdruck von Blättern und Pflanzen sorgen.

Jetzt aber geht der Baum erst einmal in Winterruhe. Er wird seinen Stoffwechsel verlangsamen, das Wachstum herunterfahren und Energie speichern, um sich vor Kälte, Frost und Nährstoffmangel zu schützen. Clever!


Mittwoch, 13. August 2025

Das Schwarzbuch der Farben in Theorie und Praxis

Wenn Kristina im Atelierhaus nicht damit angefangen hätte, dann wäre das alles nicht passiert. Ich hätte nicht tagelang Papiere bunt gemalt und auch nicht ewig daran gesessen, kleine Schnipselchen aus den entstandenen Bögen auszuschneiden, sie plangemäß aufzukleben und zu beschriften. Dann würde es aber auch dieses Album nicht geben und diesen Blogbeitrag und das wäre schade.


Ein Stück weit über den Tellerrand hinaus zu schauen ist immer gut. Einmal für das Thema sensibilisiert, fielen mir die Beiträge zur Farbtheorie regelrecht in den Schoß. Überall ploppten Abbildungen von Farbmischübungen und Proben auf – mal in Aquarell, mal in Acryl und auch in Form von Stift-Schraffuren. Plötzlich schien es, als hole jede, die einen Pinsel halten kann, ihren Malkasten hervor und tupfe die Farben der Reihe nach auf das Papier. Auch wenn ich vom Mal- und Zeichenvirus bislang noch nicht erfasst wurde, muss ich zugeben: für solcherart harmonische Musterblätter habe ich eine große Schwäche.







Ich merkte beim stumpfen Tun, dass ich die Genauigkeit hinten anstellen musste. Leicht könnte ich in ein Magnetfeld geraten und tröpfchenweise recherchieren was passiert, wenn ich Phthaloblau mal von der einen und mal von der anderen Firma verwende, denn die haben ja alle ihre eigene Rezeptur. Oder was kommt dabei raus, wenn ich stattdessen zu Azurblau oder Manganblau greife?? Und überhaupt: wie viel von der einen und der anderen Primärfarbe ergibt die exakte Sekundärfarbe? Schrecklich!! Ich dachte an Newton, Goethe, Itten und Küppers, die Jahre ihres Lebens damit verbracht haben, die Geheimnisse der Farbwelt zu ergründen. Nein, ich musste Toleranz üben, um zu überleben.






Zum Einstieg in die Farbtheorie beschäftigt man sich sinnvollerweise mit dem Farbkreis, basierend auf den drei Grundfarben Rot, Gelb, Blau – den Primärfarben, die sich nicht aus anderen Farben anmischen lassen. Es gibt nicht nur eine warme, sondern auch eine kalte Version - dann heißen die Farben Magenta, Yellow und Cyan. In der Druckindustrie kommt noch Schwarz/Key hinzu. Man arbeitet im Vierfarbendruck mit standardisierten CMYK-Farben nach einer Euroskala, in der alle Farbtöne prozentgenau festgehalten sind.

Mischt man jeweils zwei Primärfarben, so erhält man die Sekundärfarben Orange, Violett (Lila) und Grün. Wiederum gemischt kommt man zu den Tertiärfarben Gelborange, Rotorange, Rotviolett, Blauviolett, Blaugrün und Gelbgrün.

Viele kennen das Spiel aus Schulzeiten. Man lernt die Grundlagen, legt die Arbeiten in den Schrank und wird mit dem nächsten Thema konfrontiert. Ende. Nur wer gerne malt, wird automatisch wissen (wollen), was die einzelnen Farben alles können. Alsdann erweist sich, ob es wirklich nötig ist, das komplette Sortiment von Firma XY anzuschaffen, oder ob man sich die Zwischentöne nicht auch nach Wunsch selber mischen kann. Übung macht den Meister!








  

Noch ein bisschen Theorie, bevor ich wieder von der Praxis erzähle


Farbharmonien sind Farbklänge, die unabhängig vom jeweiligen Farbempfinden für das Auge des Betrachters besonders angenehm sind. Hilfestellung zum Finden solcher Kombinationen bieten Farbsysteme, die nicht nur für die Malerei, sondern auch in Raumgestaltung, Mode und Design gelten.

Einfach ist es mit der monochromen Harmonie, bei der man sich innerhalb ein und derselben Farbe bewegt, also z.B. Nuancen durch Aufhellen mit Weiß oder Brechen mit Schwarz erzeugt.

Von analoger Farbharmonie spricht man bei Kombinationen von Farben, die im Farbenkreis in unmittelbarer Nachbarschaft liegen und höchstens zwei Grundfarben beinhalten. Denkt an die Palette von Gelb - Orange - Rot - Lila oder an Gelb - Grün - Blau.

Gern und häufig kombiniert werden Komplementärfarben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen und so den größtmöglichen Kontrast bilden. Entsprechende Bereiche stechen dabei besonders hervor, wie rote Blüten auf einer grünen Wiese.

Weil im Farbkreis einer Primärfarbe jeweils eine Sekundärfarbe gegenüberliegt, enthält die Mischung daraus alle 3 Grundfarben (jede Sekundärfarbe besteht ja aus 2 Grundfarben) und wird zu einem Grau- oder Braunton.

Harmonische Farbklänge entstehen auch, wenn du ein Dreieck in deinen Farbkreis zeichnest. Die Farben an den Spitzen des Dreiecks bilden die Triadische Harmonie.

Legst du ein imaginäres Quadrat in deinen Farbenkreis, erhältst du eine Tetradische Harmonie. Die Farben, die sich an Ecken der Figur befinden, sorgen zusammen für ein ausgewogenes Farbenspiel. Es sind im Grunde zwei Paare von Komplementärfarben.

Meine schwarzen Drehscheiben über den 18teiligen Farbkreisen haben darauf abgestimmte Aussparungen, damit ich auf einen Blick sehe, was zusammen passt.












Geht es um kühle oder warme Farben, so spricht man von Farbtemperatur. Unsere körperliche Reaktion und abgespeicherte Erfahrungen, das Licht und die Umgebungsfarben sind verantwortlich, wenn wir beispielsweise ein Blau als warm empfinden, das eigentlich im Farbkreis auf der kühlen Seite liegt. Wir denken bei Rot an Feuer, bei Grün an Gras, bei Gelb an Sonne und bei Blau an Wasser.

Schluss mit der Theorie! Jetzt geht es wieder um meine eigene Farbstudien


Es waren wohl weit über 300 Blätter in A5, die ich mit guten und schlechten Acrylfarben verschiedenster Markenhersteller und Billigfirmen bepinselt habe. Die Unterschiede sind gravierend. Pigmentreiche Farben von Amsterdam, boesner und Søstrene Grene kann ich guten Gewissens weiterempfehlen, die Farben von Tedi jedoch sind mittlerweile dermaßen grottenschlecht geworden, dass sie für gar nichts mehr taugen. Finger weg davon!! Jede Mark ist rausgeschmissenes Geld!! Vor Corona hatte ich gerne zu diesen Tuben gegriffen, aber die allgemeine Teuerung unter Beibehaltung von Preis und Menge ließ dem Hersteller wohl keine andere Wahl, als an der Qualität zu sparen. Die Pigmente wurden drastisch reduziert und mehr nutzloser Füllstoff unter die Farben gemischt. Mit so etwas kann man weder malen noch anmalen. Katastrophe!!

Hübscher Nebeneffekt: aus „nach-Corona-Tedi-billig-Orange“ und Schwarz wurde aufgrund miserabler Deckkraft ein streifiges Muster, das wunderbar an Holzmaserung erinnert.







Wie viel von jeder einzelnen Farbe nötig ist, um einen bestimmten Mischton anzurühren, ist abhängig von den Komponenten und deren Pigmentgehalt, deshalb lassen sich die Anteile pro Farbe nicht allgemeingültig festhalten - schon gar nicht, wenn man wie ich mal zu diesem und mal zu jenem Fabrikat greift. An dieser Stelle ist für mich wieder eine kleine Übung in Sachen Toleranz fällig.

Etliches aus der Farbtheorie war mir aus Schule und Berufsleben bereits bekannt. Mit der Lektion über Mutterfarben hat Kristina mir dann allerdings etwas völlig Neues beigebracht. Die Aufzeichnung des entsprechenden Zoom-Workshops findet ihr in der Farbküche des Atelierhauses, geöffnet 24/7.







Und noch was: Ich hasse Klebestifte.

  • Sie trocknen entweder ein oder sind irgendwie matschig.

  • Sie eignen sich nur für großflächige Bereiche – kleine Stellen gezielt mit Kleber zu versehen ist kaum möglich.

  • Bei einem Markenfabrikat befindet sich eine produktionsbedingte harte Kappe, die bei neuen Stiften erst einmal entfernt werden muss, um an den brauchbaren Bereich zu gelangen. (Warum schützt man die Oberfläche nicht stattdessen mit einer zusätzlichen Folie unter dem Deckel wie bei Margarine?)

  • Der nicht benutzbare Rest zum Wegwerfen, der in der Kapsel steckt, ist sehr groß.

Ich kam jedenfalls auf die Idee, alle meine miesen Klebestift-Kerne mit etwas Wasser in eine Weithalsdose (Ha-ha … ja … so heißt dieser Behälter wirklich … musste ich auch erst mal googeln.) zu geben. 30 Minuten aufweichen lassen, schütteln, fertig! Nun ist der Kleber ideal. Mit Pinsel aufgetragen auf mein Papierchen, mithilfe einer Pinzette verklebt, mit Küchentuch angedrückt …. sauber und frei von jeglicher Kleber-Glanzspur. Besser und einfacher geht es kaum.

Das war wieder mal ein langer Artikel. Unten kommen noch Bilder vom fertig gebundenen Album. Die Bindung ist eine Abwandlung aus Maikes Zierstich-Kurs in der Buch-Werkstatt vom Atelierhaus. Das Leinen für den Buchrücken war ursprünglich ein alter Rock von mir und in den Taschen, die vorne und hinten am Cover befestigt sind, stecken Schablonen, Vorlagen und Notizen.

Ich sage schon mal tschüs und verspreche, dass der nächste Blogbeitrag kürzer wird. Lasst gerne Kommentare da und genießt das Leben, solange es noch ohne Lampen und Heizung möglich ist.

ela