Eine schwierige Geburt war das mit meinem ersten Zine (sprich „sien“, abgeleitet vom englischen „Magazine“).
Angefixt vom RISO-Druck, der mir durch seine intensiv leuchtenden Sonderfarben zum ersten Mal bewusst auf der Minipressen-Messe in Mainz aufgefallen war, suchte ich online nach mehr Informationen über diese Technik. Spezialisierte Druckereien waren dünn gesät. Ich landete bei Tines Firma Risolove. Sie bot eine kleine Auswahl von Printmedien in Verbindung mit einem Einführungskurs als Gesamtpaket an. Nach Buchung meines Wunschproduktes erkläre sie Anforderungen und Vorgehensweise ausführlich per Zoom. So kam allmählich Licht in die Nebel der Unwissenheit.
Dann wurde es schwierig. Ich musste mir ein Thema überlegen und zu Papier bringen. Fabulieren ist so gar nicht meine Stärke. Die Zeit verstrich. Die Blockade im Kopf war bleiern und unkaputtbar. Eines Morgens nach dem Aufwachen hatte ich plötzlich die zündende Idee: da war doch noch die Anfrage von Bernhard, der im Kindergarten seinen Schützlingen gerne eine selbst erdachte Geschichte erzählte. Ich sollte ihm ursprünglich daraus ein Buch gestalten. Was das für ein Aufwand ist, ahnte er wohl nicht.
Diese Geschichte lag noch immer bei mir. Ich musste sie „nur“
drastisch kürzen, ein wenig illustrieren und den Regeln des Zylinderdrucks
entsprechend layouten. Meine Hirnzellen kamen ins Rotieren.
Zwei unterschiedliche Auszüge sind für einen Zweifarbendruck
nötig, die ich mithilfe von Ebenen in Photoshop immer wieder kontrollierte.
Soll einer der kleinen Piepmätze einen Millimeter weiter nach rechts rücken,
muss das auf beiden Auszügen übereinstimmen.
Auch die Entscheidung, in welchen beiden Farben gedruckt werden sollte, habe ich mir nicht leicht gemacht. Als ich mich dann endlich festgelegt hatte, stand meine Wunschfarbe nicht mehr zur Verfügung und ich
musste mich umentscheiden. Naja …
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| Das hier wären bereits drei Druckfarben: schwarz, teal und fluoreszenz-gelb |
Tine filmte den RISO-Druck meiner A3-Bögen und sandte mir alles liebevoll verpackt zu. Ich faltete daraus die Heftchen nach dem üblichen Schema und verschenkte die ersten Exemplare an Freunde und Bekannte.
Im Zuge meiner anfänglichen Euphorie hinsichtlich des neuen Mediums fuhr ich für einen Tag zum Zine-Festival nach Bremen. Es war sonnig und warm. Die Stadt zeigte sich von ihrer besten Seite.
Am Rande der Innenstadt lagen die Veranstaltungsräume, wo sehr junge, bunte Leute aus Deutschland, dem restlichen Europa und Japan ihre Druckerzeugnisse ausstellten. Manch einer verkaufte wohl zum ersten Mal und ohne jegliche Gewinnabsicht. Neben Kleinstauflagen von selbst gestalteten Heftchen in unzähligen Formaten und Ausführungen gab es auch Aufkleber, Postkarten und Plakate in Riso- und Siebdruck, allerlei Unikate sowie Verlage mit alternativen Comics, Daumenkinos und anderem Schnickschnack aus Papier. Natürlich habe ich reichlich eingekauft, würde wohl aber nicht noch einmal den weiten Weg von Köln zu dieser doch eher kleinen Veranstaltung machen.
Die Zeit verging und meine Zines waren bis auf einzelne Exemplare verschenkt, als plötzlich in Kristinas Atelierhaus der Zine-Virus ausbrach. Schnell gründete sich eine Gruppe, die eifrig malte, collagierte, kopierte und untereinander verteilte. Ich reduzierte mein A3-Riso-Zine auf eine problemlos zu kopierende A4-Vorlage und überarbeitete den Text noch einmal gründlich. Dann druckte ich per Laserdrucker die ersten Exemplare aus und siehe da: die Farben waren gar nicht so viel anders als der RISO-Druck, der verkleinerte Text war immer noch gut lesbar und das handliche Format gefiel mir hervorragend.
So stelle ich euch nun hier unten mein erstes, einziges und wohl auch letztes Zine zum Download in
Original-Größe zur Verfügung. Einfach draufklicken, abspeichern, auf A4 ausdrucken und nach dem Video von Claudia falten. Habt Freude daran.
Mein Lieblingsverlag bringt übrigens im September 2026 ein brandneues Buch über Zines heraus!!
Liebe Grüße von ela












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