Der Sommer bot sich an, endlich mal all meine vorhandenen Fertigpackungen mit Cyanotypie/Sunprint-Papieren durchzutesten. Die unterschiedlichsten Fabrikate hatten sich im Laufe der Zeit angefunden, sei es durch Spontankäufe oder durch Geschenke.
Ob das Alter der bereits lichtempfindlich beschichteten Papiere, gemessen von der Herstellung bis zur Belichtung und Entwicklung, für die Qualität der Ergebnisse eine Rolle spielt, kann ich nicht sagen. Ein Aufdruck „best before x.y.“, also ein Verfallsdatum ist auf keinem der Kits zu finden. Auch ob Temperatur oder Beschaffenheit des Wassers (Härte, pH-Wert, Reinheit) das Ergebnis beeinflussen, weiß ich nicht. Ich habe alle Produkte innerhalb eines Monats draußen unter Sonneneinstrahlung (also nicht unter einer UV-Lampe) am selben Standort belichtet und mit demselben Leitungswasser entwickelt.
Mit A wie AstroMedia beginnt‘s. Als Solar-Fotopapier bzw. Sonnenschein-empfindliches Spezialpapier zur Herstellung von Solargrafiken wird eine Packung mit 20 Blatt im Format 15,3 x 22,8 cm angeboten.
Das Papier ist leider sehr dünn und wird beim Trocknen wolkig bis runzelig (bügeln hilft). Der Kontrast zwischen Hell- und Dunkeltönen ist gut, allerdings bleiben die hellen Bereiche immer etwas bläulich und lassen sich nicht bist zum Papierweiß auswaschen.
PhänoMINT Sonnendruck-Papier vom moses.Verlag ist das genaue Gegenteil. „Erlebe dein blaues Wunder mit diesem PhänoMINT-Zauberpapier!“ steht auf der Verpackung und damit haben die Texter sich gut aus der Affäre gezogen. Das Schulkind erlebt seinen Aha-Effekt und die erfahrene Cyanotypistin staunt ob der flauen, blassen und schlierigen Ergebnisse. Für dieses Produkt bin ich wohl die falsche Zielgruppe, denn ich hatte andere Erwartungen.
Vorteil: hier nehmen die unbelichteten Bereiche des mit eisenhaltigem Pulver beschichteten Papiers nach dem Wässern fast wieder die Ursprungsfarbe an. Nachteil: dunkle Tonstufen gibt es nicht. Das mittlere Blau der Beispiele auf der Verpackung entspricht in etwa dem erzielbaren Maximum.
Laut Beschreibung wäre ein Umfärben (zum Positiven?) mithilfe von Lebensmittelfarben möglich. „Die vorher abgedeckten, nun weißen Stellen nehmen diese Farbe stärker an als die unbedeckten Bereiche, die der Sonne ausgesetzt waren.“ – Sollte ich mal testen!
„Nach dem Öffnen nach 6 Monaten aufbrauchen“ ist ein Hinweis, der auf Reaktion der Beschichtung mit Sauerstoff schließen lässt. Hm, ob meine Packung im Laden wohl schon einmal geöffnet wurde? Es gibt 10 Blatt in 11,7 x 16,8 cm plus Beschreibung pro Kit.
PhänoMINT 16 x buntes Sonnendruck-Papier vom moses. brachte neue Erkenntnisse und Enttäuschungen. 4 x 4 Blatt farbiges Papier in 11,7 x 16,8 cm wurden laut Angabe jeweils einseitig mit eisenhaltigem Pulver beschichtet.
Auf dem Beipackzettel stand, man solle das Papier nach der Belichtung kurz 1 Minute wässern und dann flach liegend trocknen lassen. Ich Schlaumeier legte wie gewohnt mein belichtetes Blatt ins Wasser und wartete darauf, dass sich ein möglichst knackiges Motiv zeigt. Ich schwenkte die Schüssel, plätscherte mit den Fingern und hoffte auf größeren Kontrast durch mehr Auswaschen. Aber seltsam! Das Gegenteil war der Fall. Der Unterschied zwischen hellen und dunklen Bereichen wurde immer geringer und verschwand bald ganz. Gleichzeitig färbte sich das Wasser stark. Da hätte ich die Anleitung wohl besser mal VOR Gebrauch des Papieres gelesen.
Die nächsten Ergebnisse wurden durch kurzes Wässern besser. Beim Trocknen steigerte sich der Kontrast noch um einiges und anschließend ist die Farbe auch wasserfest.
Da das Sonnendruck-Papier durch und durch gefärbt ist, kann am Ende nur ein eher kontrastarmes Ton in Ton-Bild erzielt werden, so wie es die Abbildung auf der Verpackung zeigt.
Søstrene Grenes Solar Printing Kit beinhaltet nur 5 Cyanotypie-Papiere in 14,8 x 20,7 cm, dazu zwei dünne Kunststoffblätter als Windschutz beim Belichten (Nutzen eher fragwürdig) und zwei Papprähmchen für die Wand. Sechs kleine Strichzeichnungen auf der Packungsrückseite erklären die Vorgehensweise wie üblich bei Produkten dieser Firma. Da wünschte ich mir schon so manches Mal ein bisschen mehr an Information.
Das Papier ist hellblau durchgefärbt und relativ stabil. Wieder lässt sich durch den Belichtungs- und Entwicklungs-Prozess kein schöner, dunkler Farbton erreichen. Meine Belichtungen wurden hell- bis mittelblau und deutlich grobkörnig. Die Beispielbilder auf der Verpackung locken dagegen mit satten Pflanzendrucken von Künstlerhand.
Das Sunprint-Kit von „University of California, Berkeley“ beinhaltet 12 Bogen in 10 x 10 cm, dazu eine sehr schöne Acryl-Abdeckplatte in derselben Größe, die nach Benutzung bestimmt für allerlei anderen Schabernack verwendet werden kann. Also nicht wegwerfen!
Die kleinen Anleitungs-Skizzen auf der Verpackung sind verständlich. „Sunprint paper goes through a chemical change when exposed to light.“ Ein paar wissenschaftliche Fakten mehr könnten der Uni und uns sicher nicht schaden.
Man sieht, dass hier tatsächlich ein sattes Blau zustande kommt. Ich wurde neugierig und wollte wissen, ob die Beschichtung der weißen Papiere vergleichbar ist mit der Cyano-Chemie, so wie ich sie kenne. Dazu habe ich ein paar Blätter zerschnitten, entfärbt und dann mit Tee umgefärbt und siehe da … es funktioniert. – Super!!! 99 Punkte!!!
Offenbar wird das Produkt mittlerweile auch in größeren Abmessungen angeboten, wobei die geringe Grammatur leider geblieben ist. Da sollte man auf jeden Fall noch nachbessern.
Das letzte Material für meine Versuche kommt direkt aus China. Statt Papphülle sind die 5 Blätter „Cyanotype Paper“ zusammen mit Anleitung und Acryl-Abdeckung in einer schwarzen Plastikfolie geliefert worden, was völlig ausreicht. Das Papier ist 14,6 x 20,8 cm groß, stabil und weiß, die Anleitung chinglisch und das fertige Bild mittelblau und wolkig, dafür aber tatsächlich in den hellen Bereichen fast weiß, was dem Kontrast gut tut.
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| Zum Vergleich hier ein paar echte Cyanotypien |
Mein Fazit am Ende ist klar: keines der vorbeschichteten Papiere aus den Fertigpackungen kommt an die Qualität der herkömmlichen Methode mit der 2-Komponenten-Chemie aus Ammoniumeisen (III)-Citrat und Kaliumhexacyanidoferrat (III) heran. Die Frage ist, ob man das will.
Gefällt euch das helle, kontrastarme Blau der Fertigpackungen oder bevorzugt ihr das Preußischblau der echten Cyanotypie, dem Eisenblaudruck, bei dem die Salze vor Benutzung zuhause selbst angemischt werden? Wollt ihr die historische Technik von 1842 auf stabilen Papieren eurer Wahl oder sogar auf Stoff und anderen Trägermaterialien versuchen und vielleicht noch weitere Experimente damit machen können? In einem Kurs bei Jeromin habe ich vor vielen Jahren meinen Wissensdurst auf das alte fotochemische Verfahren gestillt und meine ersten Bogen Aquarellpapier mit Pflanzen belichtet. Dort gibt’s im Onlineshop die Chemie, Zubehör und jede Menge Informationen zur traditionellen Methode sowie zu weiterführenden Möglichkeiten, die in den letzten Jahren entwickelt wurden.
Mein Bericht basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen. Wer andere Erfahrungen mit vorbeschichteten Papieren gemacht hat, mag sie gerne in den Kommentaren teilen. Fragen und Anregungen immer gerne.

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