Donnerstag, 11. Mai 2023

Zwei wie Hund und Katze

Instagram entwickelt sich immer mehr zur Werbeplattform – das hat gute und schlechte Seiten. Viel kostbare Zeit vergeht mit der Suche nach abonnierten Inhalten, wobei man in starrer Körperhaltung stundenlang auf ein kleines Display schaut. Von Augenproblemen und steifem Nacken, Kopf-, Schulter- und Rückenschmerzen kann ich ein Liedchen singen.

Das Gute ist: man erfährt, was es in der Kreativwelt sonst noch an Neuem gibt. Jeromin zum Beispiel, mein heiß geliebter und oft besuchter Werkladen in Mannheim, kündigt anstehende Workshops, Neuheiten und Sonderangebote aus dem Sortiment seit Kurzem auch bei Instagram an und verrät jede Menge Tricks und Tipps. Das ist total klasse. So werde ich gleich beim täglichen Durchblättern meines Accounts aufmerksam und kann gegebenenfalls schnell reagieren.

Meine persönliche Instagram-Neuentdeckung des Jahres ist Anna Yevtukh, eine diplomierte Buchbinderin mit Kunststudium aus der Ukraine, die seit Jahren mit ihrer Familie in England lebt. Ihre qualitativ hochwertigen Bücher sind nicht alleine gemacht, um daraus zu lesen oder hineinzuschreiben, sondern in erster Linie um zu gefallen.

Unter ihren Händen entsteht immer wieder neue, ungewöhnliche Buchkunst. Oft verwendet Anna Leder, das sie aus mehreren Farben zusammensetzt, bemalt, prägt oder modelliert. Wahres Kunsthandwerk eben.

Annas Arbeiten findet man regelmäßig auf Ausstellungen und in Sammlungen weltweit. Sie ist Buchbinderin aus Leidenschaft und eine nette, unaufdringliche, sympathische Frau.




Ihre Online-Kurse kündigt Anna stets bei Instagram an. Live und in Echtzeit zeigt sie den Teilnehmenden dann ein paar Wochen später über Zoom Schritt für Schritt, was zu tun ist und beantwortet Fragen. Das erste, was ich unter Annas Anleitung fertiggestellt habe, ist diese Katze hier mit ihrem Begleiter. Ich sah das Modell und war gleich verliebt. Anna lieferte eine Materialliste, Kurzanleitung, Skizzen für die Rückenbindung und Umrisszeichnungen. Den Hund und später noch einen Osterhasen gab es gratis obendrauf. Nach dem gleichen Schema sind unendlich viele Tierformen denkbar.






Dem Arbeitsaufwand entsprechend gab es diesmal zwei Termine im Abstand von einer Woche. So konnte der Umschlag in Ruhe durchtrocken, bis es an die Feinarbeiten ging.

Für mein Katzenfell grundierte ich weißes Papier mit schwarzer Acrylfarbe und einem Tupfer Grün, kringelte nach dem Trocknen wild mit einem weißen Stift darauf herum und fügte Akzente mit Knallfolie und Schriftenstempel hinzu. Das Papier für das Hundefell entstand aus einen Anstrich mit Moorlauge, schwarzen Marker-Kringeln und dicken Punkten aus Acrylfarbe.





Buchbinderleinen hatte ich keins mehr zu Hause, deshalb fertigte ich nach Annas Rezept aus einem alten schwarzen Rock, Kopierpapier und angerührtem Mehlkleister (auch Annas Rezept) selbst welches an. Hat super funktioniert!!





Die Bindung für das Katzenbuch sollte zweifarbig über 6 Lagen gehen, wobei mit einem Faden zick-zack-weise immer gleich zwei Lagen erfasst werden müssen. Diese Vorgehensweise ergibt zum Schluss ein asymmetrisches Muster. Da mein Garn etwas zu dick für die vorgestochenen Löcher war, musste ich eine Zange zu Hilfe nehmen, was mir die Nadel ziemlich krumm nahm.

Beim Hund wollte ich die Rückenbindung leicht abwandeln - vielleicht sogar verbessern. Ich verwendete dünneres Garn in nur einer Farbe und eine ungerade Anzahl von Lagen, um ein symmetrisches Bild zu erhalten.

Kristinas aktuelles Atelier-Thema „Spiralen“ manipulierte mein Unterbewusstsein wohl dahingehend, das eigentlich wesentliche Foto hier in der Montage vergleichsweise klein darzustellen.



 
Glücklich, wer ein breit gefächertes, chaotisch zusammengewürfeltes Sortiment verschiedener Unterteller im Küchenschrank hat. Irgend eines dieser Porzellane passte sich hervorragend der Rückenkurve an, die Annas Haustieren eigen war. Mit dem Skalpell entlang der Untertasse ließen sich die Innenseiten des Buches gut in Form bringen.








Hund und Katze sind nicht gemacht, um sie sinnvoll zu verwenden. (Zum Vollschreiben benutze ich Fabrikware.) Wie die meisten meiner selbst gefertigten Bücher, Alben, Hefte und Journale besteht ihr einziger Sinn und Zweck darin, die Technik zu lernen und am Ende schön zu sein und mich und andere zu erfreuen. Im Laufe der Zeit werden sie im Regal genau wie ihre Vorgänger weiter nach hinten rutschen, wenn andere, neue Bücher dazukommen. Das ist ihr Schicksal. Manchmal geschieht es, dass ich die dicht gedrängte, allmählich gewachsene Ansammlung nach irgendetwas durchforste und dann fallen mir fast vergessene Exemplare wieder in die Hände. Was für ein Moment!! Dann werden Erinnerungen wach, ich staune und freue mich, dass in der Realität noch vorhanden ist, was im Kopf schon (fast) verloren ging.

... und wie gefallen sie euch - meine beiden Neuen?







Dienstag, 11. April 2023

Horrorvision und Buchrezension – "Papier trifft Faden" von Anka Brüggemann

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 Wir haben uns verkalkuliert! 


Im Jahr 1900 stellte man sich vor, wir flögen heute alle mit fliegenden Untertassen oder Raketenrucksäcken  durch die Lüfte, während Roboter die Hausarbeit machen und warmes Essen auf Knopfdruck servieren. Bücher würden durch den Wolf gedreht, in akustische Signale umgewandelt und uns eingetrichtert - so ersann man das Hörbuch vor 100 Jahren




1972 war man schon ein Stückchen realistischer. Dank des Club of Rome und seinem Bericht zur Lage der Menschheit wusste man bereits, dass Bevölkerungswachstum, verbrauchte Ressourcen, Chemieeinsatz in der Landwirtschaft, Wasserverschmutzung und zunehmender Verkehr zu einer Bedrohung werden. Beängstigend stellten Filmemacher die ferne Zukunft dar. Ich erinnere mich als alter Papier- und Buchliebhaber an ein paar üble Szenarien:

Fahrenheit 451 (nach der angenommenen Selbstentzündungstemperatur von Papier, 1953)
In der Stadt der Zukunft gilt selbstständiges Denken als gefährlich und Bücher sind verboten. Sie aufzuspüren, zu verbrennen und Staatsfeinde zu töten ist die Aufgabe der Feuerwehr.
Hauptdarsteller Guy ist einer dieser Feuerwehrmänner, der zunächst scheinbar kritiklos in diesem System funktioniert, heimlich jedoch einige gestohlene Bücher in seinem Haus versteckt. Mit Hilfe eines pensionierten Literaturprofessors flieht er in die Wälder außerhalb der Stadt und schließt sich einem geheimen Bund von „Büchermenschen“ an, die dort, von den Medien totgeschwiegen, das gedruckte Wissen für die Nachwelt retten wollen, indem sie es auswendig lernen.

… Jahr 2022 … die überleben wollen (Originaltitel Soylent Green, 1973)
Im Jahr 2022 hat der Mensch seine natürlichen Lebensgrundlagen fast vollständig zerstört. Überbevölkerung in den Metropolen, Wassermangel, fehlende Nahrung und Wohnraum beherrschen den Alltag. Lediglich einige Politiker und reiche Bürger können sich sauberes Trinkwasser und natürliche Lebensmittel zu horrenden Preisen leisten.
Inmitten dieses Chaos führen der Polizist Robert Thorn und sein älterer Mitbewohner Sol ein trostloses Dasein. Sol kennt noch die Welt mit Tieren und richtiger Nahrung: Gemüse und Fleisch statt des künstlich hergestellten Soylent Green, welches angeblich aus Plankton bestehen soll. Das triste Leben der Beiden findet allein Auflockerung durch Dinge, die Thorn immer wieder aus den Wohnungen reicher Leute mitgehen lässt. Als er zwei Bände ozeanographischer Berichte mit nach Hause bringt, lässt Sol sie untersuchen und bekommt die Bestätigung seines fürchterlichen Verdachts. Bald erfahren es alle: Soylent Green ist Menschenfleisch!

The Book of Eli (postapokalyptischer Actionfilm, 2010 in deutschen Kinos) 
Im Jahr 2044, viele Jahre nach dem „Großen Krieg“, der die Erde völlig verwüstet hat, ist Eli alleine unterwegs durch Ruinen einer zerfallenen Stadt, in der das Gesetz des Stärkeren herrscht. Er trägt eine seltene Bibel mit sich, die er mit seinem Leben beschützt. Eine Truppe von Schlägern bringt das wertvolle Buch an sich und stellt fest, dass es in Blindenschrift geschrieben ist.
Eli gelangt auf eine abgeschiedene Insel, wo eine Gruppe Überlebender nach verlorenem Wissen sucht und den Wiederaufbau einer neuen Zivilisation plant. Bedeutende literarische und musikalische Werke konnten sie bereits sicherstellen. Eli, der den Inhalt seiner Bibel über viele Jahre hinweg auswendig gelernt hat, diktiert ihnen den Text Wort für Wort, bevor er an den Folgen seiner Schussverletzung stirbt. Die Menschen auf der Insel beginnen, mit einer alten Buchdruckmaschine die neue Bibel zu drucken, von der schließlich ein Exemplar zwischen Tora, Tanach und Koran ins Bücherregal gestellt wird.

Abbildung eines Tanach aus Wikipedia











 Zurück ins Hier und Jetzt 


Solche Tage bleiben hoffentlich reine Fiktion. Ich habe hier ein schönes Buch vor der Nase, über das ich viel Gutes berichten kann und euch hoffentlich wieder in die heile Welt zurückhole. Anka Brüggemann, wohlbekannt auch unter dem Namen Bookogami, hat es geschrieben. Der Haupt Verlag sandte es mir zur Rezension zu. GANZ HERZLICHEN DANK dafür !!!




Was gleich auffällt ist das neue Format. Anka hat bereits drei Bücher im Haupt Verlag Gestalten herausgebracht – allesamt große, aber auch entsprechend schwere Bildbände. Nun erscheint plötzlich ein Softcover mit Fadenheftung, das von der Reihe abweicht. Der stolze Follower, der die Bücher seines „Stars“ hin und wieder liebevoll streichelt, muss wohl erst einmal einen kleinen Schreck überwinden.

Grund für die Änderung sind die Zeichen der Zeit, an denen auch große Buchverlage nicht vorbei kommen. Über Papiermangel, Lieferengpässe, fehlende Rohstoffe wie Holz, Zellstoffe und Altpapier, steigende Preise und die daraus folgenden Schwierigkeiten für Druckereien und Buchhandel ist viel geschrieben worden. Nun sind die Auswirkungen bei uns zu Hause angekommen.

Neu ist dieses Format im Haupt Verlag ja nicht und ich weiß es durchaus zu schätzen, dass ich das Buch bequem in Bus, Bahn und Bett lesen kann, ohne mir die Figur zu verbiegen.

Alles dreht sich in „Papier trifft Faden“ um dekoratives Gestalten mit alten Buchseiten, die mithilfe von Stickerei zu etwas ganz Besonderem werden. Also, dann schlagen wir das Werk mal auf.










Nach den Grundlagen zum Material und hilfreichen Tipps für die Vorgehensweise werden die nötigen Stickstiche allesamt in Wort und Bild erklärt. Es folgen 25 raffinierte Projekte, die jeweils durch ein Nadelkissen mit 1 – 4 Nadeln für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gekennzeichnet sind. Fotos zeigen die einzelnen Arbeitsschritte, die im Text gleich nebenan erklärt werden. Zu vielen Projekten gibt es Vorlagen in Originalgröße, die das Werkeln erleichtern.

Zweckentfremdet: aus der Anleitung für die witzigen Broschen entstand eine Grußkarte





Die Ideen zum Nacharbeiten sind vielfältig und einfallsreich. Es gibt Geschmackvolles für die Wand, als Dekoration für die Wohnung oder als kleines Mitbringsel. Geschenkpapier, Tüten mit Blüten und Schachteln mit gestickten Insekten. Grußkarten und Briefumschläge, Papierhäuser, Sterne, Laub, Blumen und Broschen. Habt ihr schon ein Lesezeichen mit Monogramm? Oder stilisierte Familienportraits, bestickte Urlaubsbilder und Papierschuhe? Wie wäre es, wenn ihr dem Foto eures Lieblingstiers einen bunten Blütenkranz verpasst? Es gibt Anregungen für Anfänger und Geübte und auch so ein anspruchsvoller, alter Fuchs wie ich findet hier einiges zum Nacharbeiten.




Über die Entstehung des Buches erzählt Anka Brüggemann im Interview beim Haupt Verlag und Issuu bietet den Blick ins Buch. Sahnehäubchen der Präsentation ist wohl der kostenlose Zoom-Workshop, in dem ein Blumenkranz gefertigt wird. Schaut doch einfach mal, ob es noch freie Plätze gibt.

Was ich dem Buch gewünscht hätte ist ein aufgeräumteres Layout. Eine geschicktere Seitengestaltung mit "Luft" an den richtigen Stellen würde dem Inhalt durchaus gerecht. Als gelernte Mediengestalterin bin ich ziemlich pingelig in solchen Dingen, die andere wohl gar nicht wahrnehmen.

Noch sind die Grusel-Szenarien aus utopischen Filmen zum Glück nur reine Fiction. Noch haben wir Bücher, in denen wir schwelgen und schmökern können, wir können sie uns leisten und sie sind nicht verboten. Auch wenn sich Druckindustrie und Verlage gezwungenermaßen dem Wandel der Zeit anpassen müssen, gibt es 2 x im Jahr eine wunderbar bereichernde Auswahl an Lektüre bei Haupt Gestalten für uns Kreative. Langt zu!

Leichtes Gepäck dank Handtaschenformat - mit Buch, Papier, Stickgarn, Nadel und Schere unterwegs.

Anka Brüggemann ist weiterhin fleißig unterwegs auf Instagram, auf ihrer Website mit Blog, Workshop-Angeboten, Gratis-Anleitungen, Geschäftsadresse (Ja! Sie hat sogar ein Ladengeschäft in der Altstadt von Quedlinburg.) und Online-Shop. Das Buch gibt es im Haupt-Verlag und in jeder Buchhandlung.

Danke fürs Lesen, fürs Schreiben, fürs Schicken, fürs Kommentieren ... DANKE für alles und bis bald!
ela


Dienstag, 21. März 2023

Inspiration ist alles: das Buntpapier-Album mit Wachs-Musterei

Ich versprach euch im letzten Blogbeitrag, zu berichten wie es weiterging mit Kristinas neuem Online-Atelier und meiner Albumproduktion. Hier also die Fortsetzung der Geschichte:

In der Pilotgruppe, die schon seit November die Gründung der Atelierräume begleitete, entstanden immer wieder neue farbenfrohe bis wild gemusterte Bücher unter dem Motto „No-scraps-left-behind“, auf die ich neidische Blicke warf. Mit meiner braunen Moorlauge-Mappe war ich wie so oft ein Außenseiter. Das hat mich gewurmt. Ich wollte auch so was schönes Buntes machen.

Nun ist mein Vorrat an herumliegenden Papieren aus meiner Sicht nicht unbedingt besonders erdrückend. Ich leide grundsätzlich nicht unter zu viel Papier, muss es nicht zwingend verarbeiten, auch wenn manche Stapel schon beachtliche Höhen erreicht haben. So viele interessante Stücke befinden sich darunter: alte Qualitäten, die heute gar nicht mehr hergestellt werden, wunderschöne selbst gemachte oder irgendwo gefundene, die ich sorgfältig aufbewahre und immer mal wieder anschaue, um dann mit spitzen Fingern weiter zu blättern. Die würde ich nie verkleistern oder übermalen. Die werden gesammelt. Das sind Schätze.

Allerdings lagern auch Mengen von fabrikmäßig bedruckten Scrapbooking-Papieren in meinen Schränken, die noch vor ein paar Jahren der letzte Schrei waren. Bei nächster Gelegenheit werden sie umgefärbt, zerschnibbelt, verarbeitet und gnadenlos verbraucht.

Jetzt musste aber erst mal der Wintermuff raus und etwas Frisches, Buntes her. Bhupali schickte einen Link zu einer Technik, die mich gleich faszinierte. Auch wenn andere es aus dem Kindergarten kennen – da war ich nie – ich muss es eben jetzt versuchen!







Man nehme ein Blatt Papier, lege es auf eine warme Platte (z.B. Herdplatte auf kleinster Stufe. VORSICHT! Finger!) und male mit wasserfesten Wachsstiften ein Muster darauf. Das Wachs schmilzt während des Malens und der Stift wird zusehends kleiner. Ich konnte mal wieder erst aufhören, als die letzten Stifte so weit heruntergeschmolzen waren, dass ich mir fast die Finger verbrannte. Anschließend übermalte ich die Papiere mit Wasserfarben. Die Wachsschicht stößt das Wasser ab und lässt Farbperlen entstehen, die beim Trocknen schöne Strukturen ergeben.








Zusammen mit farblich passendem Tonkarton beklebte ich zwei A0-Plakate mit den bunten Papieren. Auf den Plakatrückseiten markierte ich - wie Kristina es zeigt - meine Buchseiten mithilfe einer Schablone, die ich zuvor in Wunschgröße angefertigt hatte, und schnitt die Formen dann „blind“ aus. Ich suchte mir also keine Sahnestückchen aus der Collage, sondern teilte die Seiten dort, wo die Markierung es vorgab. Wenn solch ein Schnitt unglücklich auskommt, muss die weitere Gestaltung eben so angelegt werden, dass es trotzdem wieder gut aussieht.





Für das Buchcover bemalte ich zwei Graupappen ohne viel nachzudenken .. wusch-wusch .. mit Acrylfarben und Tusche. Ich nähte ein Stück Stoff für den Rücken dazwischen, das ich vor Monaten in einem Breakdown-Printing-Kurs bei Jeromin bedruckt hatte, und weil die Nähmaschine schon mal einsatzbereit war, kam als Spezialeffekt noch eine alte Borte aus den 70er Jahren unten ran.

Die Buchseiten sind ganz einfach in 3 Lagen mit Langstich eingenäht … fertig ist mein buntes Buch.








In Kristinas Online-Atelier tat sich zwischenzeitlich auch einiges. Die letzten „Malerarbeiten“ sind gemacht und neue Videos eingestellt, die mich wie willenlos und ferngesteuert zum Anfertigen eines dritten Albums animieren.

Die Nachricht von der ersten regulären Teilnehmer-Buchung überraschte Kristina, als sie nach etlichen Fehlversuchen noch gar nicht wusste, dass der Shop nun endlich freigeschaltet war. Viele weitere Anmeldungen folgten. Einen Teil der neuen Atelier-Mitglieder lernten wir kürzlich beim Online-Meeting kennen. Bei der Gelegenheit verriet Kristina auch mehr über ihre Pläne zum Kick-Off im April. Da will sie uns etwas anbieten, was sie schon lange mit einer Gruppe durchspielen möchte, was aber bisher nicht in die live-Workshops passte. Kribbeln im Kopf - uuuuuh … spannend.

Bald wird es wieder einen Werkeltag über Zoom geben, an dem jede mit zwei Kameras vernetzt ist, um sich selbst und den Arbeitstisch gleichzeitig live und in Farbe zu übertragen. Auch die Termine für die 14tägig stattfindenden Zoom-Ateliertreffen stehen schon fest im Kalender.

Es wird nicht langweilig.

Machts gut, meine Lieben. Die Arbeit ruft!

Bis bald


ela


Freitag, 3. März 2023

Wie es wurde, was es ist: die Neu-Eröffnung von Kristina Schapers Online-Atelier

Es pfeifen ja schon die Spatzen vom Dach, dass sich ein neues Türchen in die Kreativwelt geöffnet hat. Kristina Schaper ist nicht mehr nur mit Koffern voller Siebdruckrahmen, Stoffen und Papieren zu Workshops in Deutschland, Dänemark und anderswo unterwegs, es gibt sie ab sofort auch täglich für 24 Stunden bei jedermann zu Hause über ihr Online-Atelier. Fast wie live fühlt es sich an, wenn man ihr im Video über die Schulter schaut. Sie zeigt, was sie tut, auf eine so ruhige, lockere und unkomplizierte Art, dass es Entspannung, Augenschmaus und Freude gleichzeitig ist, von ihr zu lernen.

18 exklusive Kreative mit unterschiedlichen Erfahrungen, Ansprüchen, Temperamenten und Beweggründen verfolgten schon seit November den Aufbau von Kristinas Online-Welt, sahen die ersten Filme, äußerten Wünsche, löcherten sie mit Fragen, gaben Tipps, suchten Fehler, schwitzten bei technischen Problemen und sparten auch nicht mit Lob. Seitdem fertigten manche von uns wie vom Virus erfasst gleich stapelweise Junk Journals unter dem Motto „no-scraps-left-behind“ - stapelweise, sage ich euch!! Schließlich geht es im ersten Kurs darum, vorhandene Papier-Ansammlungen abzubauen und zu schönen Büchern zu binden.




Sie konnten auch nicht lange schweigen. Tanja und Belinda haben bereits Blogberichte geschrieben, Baba, Bhupali, Karla, Maike, Rita, Verena, Sandra und Sabine haben ihre Arbeiten auf Instagram gezeigt, Michaela hat die Werbetrommel gerührt und Kristina selbst berichtete natürlich auch über ihre Pläne. Alle anderen aus unserer Pilotgruppe waren nicht minder fleißig, wenn auch im virtuell Verborgenen.

Bei mehreren Zoom-Treffen lernten wir uns besser kennen, erst zaghaft, später immer ungezwungener, diskutierten miteinander über unsere Ansprüche an Gestaltung, Materialien (Kleber!) und Nutzen, testeten Möglichkeiten und arbeiteten so manches Mal - verbunden via Zoom mit jeweils 2 Kameras pro Haushalt - stundenlang gleichzeitig, jede bei sich zu Hause und doch gemeinsam, so dass wir jederzeit beobachten konnten, was bei den anderen gerade auf dem Tisch entstand. Am Ende fabulierten wir gar über ein Treffen im wahren Leben.

Das wahre Leben – seltsamerweise verlor ich immer mehr den Abstand zwischen dem Geschehen am Monitor und dem echten Leben. Durch das gemeinsame Thema wuchsen wir ein Stück weit zusammen und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwelche Nachrichten in der Gruppe ausgetauscht werden. Büchertipps, Technik-Links … An manch einem Langschläfer-Morgen warteten schon über 50 Nachrichten darauf, von mir gelesen zu werden, weil es unter wahren Fans nun mal viel zu erzählen gibt.






Die Weiterentwicklung von Kristinas Online-Atelier mitzuerleben ist spannend. Ihr Konzept sieht vor, all ihre über die letzten Jahre entwickelten Kurse auch Online zur Verfügung zu stellen. Es soll irgendwann in diesem virtuellen Atelier neben der Papier- und Buchbindewerkstatt auch eine Textilwerkstatt, eine Farbküche und vielleicht einen Bereich für Drucktechniken geben. Wer weiß, was noch alles dazu kommt. Ideen hat sie reichlich. Über ein Jahresticket können auch die neu Hinzukommenden den immer wieder anwachsenden Inhalten folgen. Termine für die nächsten Zoom-Treffen stehen schon fest. Es gibt eine erweiterbare Bücherecke, ihr könnt eure Projekte zeigen, Fragen stellen, kommentieren, auch kleine Extras sind geplant … Das klingt doch sehr lebendig, oder? Kein simpler Kurs den man bucht, sondern ein Atelier, in dem sich was bewegt und das für den, der aktiv dabei sein möchte, nicht so anonym ist wie andere.









Oben seht ihr meinen reichlich aufwendigen Aufbau von Laptop und Smartphone im Keller aus Anlass des ersten Co-Schnipsel-Tages. Ich hatte so etwas noch nie vorher gemacht. Bei den Folgeterminen lies ich mir unkompliziertere Aufbauten einfallen.

Genug der Schleichwerbung. Kommen wir endlich zu den Früchten meiner Werkelei. Es war ja anfangs nur ein Teil der Videos fertig, aber ich war gleich beim ersten Film völlig angefixt von Kristinas Moorlaugenbad. Sie zeigt, wie man alte und neue Papiere angleicht, damit sie später zusammen in einem Album harmonisieren. Stapelweise schichtete ich daraufhin Schnittmuster, Noten, Schreibpapier, Briefumschläge und alte Buchseiten in die Wanne zum Bräunen. Später fügte ich Strukturen aus Spachtelmasse und Schellack-Beschichtungen hinzu. Schöne Effekte ergeben sich, wenn ein Papier auf andere abfärbt oder Folien wie eine Maske den Untergrund vor der Verfärbung schützen.








Unten seht ihr meine Mappe aus alter Wellpappe, bemalt mit Moorlauge, versiegelt mit Schellack und ausstaffiert mit vier Einstecktaschen. In diesen Taschen stecken vier verschiedene Heftchen, nach Kristinas ausführlichen Vorgaben gebunden:

  • Ein Leporello aus internationalen Tageszeitungen, rückseitig zur Verstärkung mit schwarzem Gesso bestrichen und mit Zeitungsbildern aus Dubai, London, China, Türkei, Griechenland, Burma, Russland und Thailand beklebt.

  • Gesammelte Bilder aus Zeitschriften, nach Farbkonzept zusammengestellt und auf Seitengröße collagiert. Drumleaf Bindung.

  • Schnittmusterbogen mit Moorlauge, Strukturpaste und Schellack in Slot & Tab-Bindung

  • Ein Poster mit Moorlauge-Muster zu 16seitigem One-Sheet-Book gefaltet.











Die unkomplizierten, raffinierten Bindungen erklärt Kristina alle haargenau im neuen Online-Atelier.

Ist euch aufgefallen, dass der Verschluss meiner Mappe, ein Keramik-Ring und ein Stückchen Ast, den Formen der Moorlauge-Bemalung entspricht?

Mein zweites, farbenfreudigeres Junk Journal, zu dem ich mich von Kristina und der Gründungsgruppe inspirieren lies, zeige ich euch im nächsten Beitrag. Die Fotos sind fertig, am Text muss ich noch feilen. Jetzt habt ihr erst mal genug Futter. 😉

Tschüssi

ela